Kommentar

Brexit-Verhandlungen: Verspieltes Vertrauen

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 MIKE SCHIER

Vielleicht ist Boris Johnson der prominenteste Corona-Leugner von allen. Nicht weil er die Krankheit herunterspielen würde – er hat sie am eigenen Leib erlitten –, sondern weil er in den Brexit-Gesprächen beharrlich so tut, als sei sein Land gegen die wirtschaftlichen Folgen immun.

Jetzt den starken Mann zu spielen und die Briten auf einen harten Abgang einzustimmen, ist mehr als mutig. Viele mögen das für einen Bluff halten. Doch man muss fürchten, dass Johnson in seinem obsessiven Hass auf Brüssel wirklich weiter an den Brexit-Erfolg glaubt.

Johnsons größtes Eigentor

Natürlich trägt auch die EU ihren Anteil zur Zuspitzung des Streits bei – doch für die Europäer geht es um alles: Macht Brüssel zu große Zugeständnisse, könnten die Fliehkräfte im Bündnis zunehmen und auch andere ihren Abgang vorbereiten. Es ist bemerkenswert, wie einheitlich die Mitgliedstaaten an der Seite der Iren dem britischen Taktieren begegnen. Womöglich war der Bruch der Irland-Zusagen letztlich Johnsons größtes Eigentor.

Noch ist es nicht zu spät für einen Kompromiss. Aber immer mehr deutet darauf hin, dass es im Januar erst einmal zum harten Bruch kommen wird. Wenn dann beide Seiten den Schaden haben, könnten sie schneller wieder am Verhandlungstisch sitzen, als sie heute glauben.

Mike.Schier@ovb.net

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