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Kliniken droht in der Coronakrise Überlastung: Verschlepptes Personalproblem

Sebastian Horsch
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Sebastian Horsch
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Wenn die Zahl der schweren Corona-Verläufe weiter so schnell steigt, könnten die Kliniken schon in drei Wochen an Grenzen geraten, warnen Mediziner. Und da wir gerade erst November haben, ist – anders als im April –auch kein wetterbedingtes Abflauen in Sicht.

Den Härtetest, um den wir im Frühjahr herumgekommen sind, könnte unser Gesundheitssystem jetzt also bekommen. Ausbaden wird das – neben den Patienten – das Personal in den Krankenhäusern.

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Dass es dafür gut aufgestellt wäre, kann man leider nur bedingt sagen. Denn noch bevor alle Betten auf den Intensivstationen belegt sind, wird es im Ernstfall an Pflegekräften mangeln, die diejenigen versorgen, die darin liegen. Seit vielen Jahren ist der Fachkräftemangel eine enorme und bekannte Schwachstelle. Verdi konstatierte im Jahr 2018, dass in deutschen Kliniken bis zu 80 000 Pflegekräfte fehlen. Ganz nach vorne hat es dieses Thema in der öffentlichen Aufmerksamkeit trotzdem nie geschafft. Selbst nach der ersten Corona-Welle ließ das Interesse bald wieder nach.

Kurzfristig lässt sich das nun nicht mehr ändern. Und Mut macht, dass die Krankenhäuser in der ersten Welle viel dazu gelernt haben. Mit flexibleren Abläufen und vielen Überstunden werden sie hoffentlich auch diese Extremsituation meistern. Danach darf Deutschland nicht wieder vergessen, wo es ein großes Problem hat.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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