Nur Verlierer beim Brexit-Poker?

Gespräche ohne Fortschritt. ALEXANDER WEBER.

Verhandlungen wie derzeit zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich um die Nach-Brexit-Ära ab 2021 haben viel mit einem Poker-Duell gemeinsam: Beide Partner lassen sich nicht in die Karten sehen, bluffen gerne und hoffen, dass ihr Blatt letztlich sticht. Beide können sich dabei ziemlich verzocken. Und bei den bislang fortschrittslosen Verhandlungen besteht die Gefahr, dass es am 31. Dezember nur Verlierer geben könnte.

Es ist auch ein Kampf zwischen Prestige und Prinzip. Premier Boris Johnson steht bei den Briten im Wort, eine vollständige Trennung von der EU zu erreichen. Das macht Themen wie etwa die Fischerei so schwierig. Ihr Anteil am britischen Bruttosozialprodukt liegt deutlich unter einem Prozent, aber symbolisch ist es ein Megathema auf der Insel. Die Fischer waren und sind die größten Befürworter des Brexit. Jetzt wollen sie Erfolge sehen, sprich: keine EU-Trawler mehr in ihren Gewässern. Johnson muss also liefern, wenn er nicht wortbrüchig erscheinen will. Demgegenüber pocht die EU aber auf faire Regeln bei einem freien Zugang zum Binnenmarkt. London will bislang keine Umwelt-, Sozial- oder Verbraucher-Standards der EU akzeptieren. Viele erhoffen sich von der deutschen Ratspräsidentschaft einen Durchbruch. Ob die Krisen-Kanzlerin auch diesen Knoten zerschlagen kann?

Alexander.Weber@ovb.net

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