EU verhandelt mit Briten Erst Corona, dann Brexit-Tiefschlag?

EU verhandelt mit Briten. Erst Corona, dann Brexit-Tiefschlag?

ALEXANDER WEBER

Als ob der Abgrund, in den die Corona-Pandemie Europas Volkswirtschaften zu stürzen droht, nicht schon genug wäre. Fast vergessen im Kampf gegen das Virus rückt nun wieder das andere Damoklesschwert ins Licht der Öffentlichkeit, das über vielen Arbeitsplätzen in Europa hängt: ein harter Brexit zum Ende des Jahres. Die Chefunterhändler Barnier (EU) und Frost (GB) sind um ihre Aufgabe, diese Katastrophe abzuwenden, nicht zu beneiden.

Wo die reine Vernunft lehren würde, dem schweren Wirkungstreffer durch Corona bitte nicht noch einen Tiefschlag durch einen Brexit ohne Vertrag folgen zu lassen, stehen Interessen und Gefühle einer Lösung scheinbar unüberbrückbar entgegen. Dem Interesse Brüssels, auch unter Zeitdruck keine britische Rosinenpickerei zuzulassen und damit den EU-Binnenmarkt zu beschädigen, steht das emotionale Verlangen vieler Briten gegenüber, endlich alle Bindungen an die EU zu kappen. „Get Brexit Done“ war Premier Johnsons Wahlslogan – er erhielt ein klares Mandat dafür und lehnt eine weitere Verlängerung des Dramas ab. Einen solchen Kantersieg des heißen Herzens über den kühlen Kopf hätte man früher wohl eher Südländern zugetraut. Doch damit muss Barnier jetzt umgehen. Am Ende müssen beide Seiten Zugeständnisse machen, wenn alles noch gut werden soll. Wie heißt es so schön beim Tanzen? It takes two to tango.

Alexander.Weber@ovb.net

Kommentare