Tarifeinigung im öffentlichen Dienst: Verdiente Wertschätzung

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MIKE SCHIER

Die schlechte Nachricht zuerst: Trotz der gestrigen Einigung bei den Tarifgesprächen im öffentlichen Dienst wird Verdi heute den Nahverkehr in München bestreiken.

Während Politiker und Bürger sorgenvoll auf die Coronazahlen blicken und hinter den Kulissen über Distanzunterricht und Lockdowns diskutieren, macht die Gewerkschaft „business as usual“, und die Fahrgäste dürfen sich in übervolle Busse und Trambahnen quetschen. So sehr man das Recht auf Arbeitskampf goutieren mag – jetzt ist dafür ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt.

Äußerst fordernde Berufe

Vermutlich dürfte sich die Gewerkschaft in ihrem harten Kurs durch den relativ hohen Abschluss im öffentlichen Dienst bestätigt sehen – in Zeiten dramatisch einbrechender Steuereinnahmen wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Vor allem die deutliche Besserstellung der Pflege- und Intensivkräfte beweist, dass der Staat dem inzwischen oft nur abwertend erwähnten „Beklatschen der Hilfskräfte“ auch Taten folgen lässt. Es geht um ehrliche Wertschätzung in äußerst fordernden Berufen. Hier scheinen die Fehlentwicklungen vergangener Jahre zumindest ein Stück weit korrigiert zu werden – auch dies eine der vielen Lehren aus der Coronakrise.

Dennoch: Insgesamt empfiehlt sich bei Lohnforderungen in diesen Tagen Zurückhaltung. Hunderttausende sind in Kurzarbeit und bangen um ihre Jobs. Viele Firmen stehen vor einer ungewissen Zukunft. Das „Zusammenhalten“ gilt nicht nur für die gesundheitlichen Aspekte der Pandemie – sondern auch für die wirtschaftlichen. Für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber.

Mike.Schier@ovb.net

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