Verdi-Streik mit harten Bandagen

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U-Bahn fast ganztägig lahmgelegt. GEORG ANASTASIADIS.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geht in die Vollen: Schon mit ihrem ersten – verniedlichend „Warnstreik“ genannten – Ausstand legt sie heute das komplette Münchner U-Bahn-Netz lahm, und das von morgens bis abends. Für den Beginn der Tarif-Auseinandersetzung ist das ein heftiger Schlag, zwingt sie die ohnehin gestressten Pendler doch mitten in der Corona-Krise in überfüllte S-Bahnen, Trambahnen und Busse. Der in der Pandemie so wichtige Sicherheitsabstand lässt sich so nicht mehr einhalten. Der Verdacht liegt nahe, dass Verdi mit der Angst der Menschen spielt, um die öffentlichen Arbeitgeber empfänglich für ihre weit überzogene Forderung von 4,8 Prozent mehr Geld zu machen. Mit Verlaub: Das riecht nach Erpressung.

Dass die Gewerkschaften sich am längeren Hebel wähnen, liegt auch an den Signalen aus der Politik: Monatelang hat der Staat die Illusion genährt, in der Krise über unbegrenzte Finanzmittel zu verfügen. Davon wollen jetzt auch die öffentlich Bediensteten ihren Anteil abhaben. Richtig ist: Viele von ihnen gehören nicht zu den Gutverdienern in unserer Gesellschaft, manche von ihnen wurden auf dem Höhepunkt der Corona-Angst zu Recht auch als Helden beklatscht. Aber genauso richtig ist, dass die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, anders als die Kollegen in der Privatwirtschaft, ohne Jobangst und Einkommensverlust durch die Pandemie kommen. Solidarität ist keine Einbahnstraße. Vielleicht sollten die Verdi-Funktionäre auch mal darüber nachdenken.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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