Veranstaltungsverbote Die Kultur vom Tisch wischen

Veranstaltungsverbote. Die Kultur vom Tisch wischen .

MARKUS THIEL

Unvorstellbar ist das derzeit: Knie an Knie, Schulter an Schulter, Ellbogen an Ellbogen Musik, Schauspiel oder Tanz zu genießen. Dass diese Spielzeit laut Kunstminister Bernd Sibler hoch gefährdet ist, überrascht also nur den Ahnungslosen. Und doch stimmt etwas nicht mit diesen Entscheidungsprozessen. Während bei Schulen, Geschäften und Kirchen eine allmähliche Öffnungspolitik praktiziert wird, heißt es für die Kultur aus Sicht der politisch Verantwortlichen am liebsten Schwarz oder Weiß.

Dabei gäbe es flexible, kreative Lösungen, angefangen von kleiner besetzten Konzerten bis hin zu lückenhaft gefüllten Sälen. Sogar die Künstler wären dazu bereit, auch bei (Teil-)Gagenverzicht. All dies droht vom Tisch gewischt zu werden. Und dass Bund und Länder den Kulturbereich unter „Großveranstaltungen“ behandeln, ist so schwammig wie verräterisch. Doch Flexibilität wäre notwendig, um dieses Gesellschaftssegment nicht nur durch die Krise zu bringen, sondern überhaupt zu erhalten. Schon jetzt droht Verheerendes. Viele Ensembles und Institutionen wird es nach Corona nicht mehr geben. Dabei steht Deutschland nicht nur für VW oder Siemens – sondern auch für eine weltweit einzigartige Kulturlandschaft.

Markus.Thiel@ovb.net

Kommentare