Meinung

Trump nach der Wahl: Ein Zerstörer, kein würdevoller Sieger

KLAUS RIMPEL
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In einem Punkt hat es Donald Trump erneut allen Experten und Demoskopen gezeigt.

Wie schon 2016 konnte er deutlich mehr US-Wähler gewinnen, als in den Umfragen für möglich gehalten wurde. Insbesondere in den an den Küstenstaaten oft vergessenen „Fly-over-States“ in der Mitte der USA hat er den Nerv getroffen: Dort, wo viele Menschen im letzten Jahrzehnt ihre Jobs verloren haben, hat sein „America First“ überzeugt – seine Strafzölle gegen China kommen bei diesen Wählern gut an. Auch die Black-Lives-Matter-Proteste konnte Trump zu seinen Gunsten drehen: Am Ende zählte bei seinen Wählern nicht die Empörung über rassistische Übergriffe, sondern die Angst vor gewalttätigen Protesten. Zudem verfing bei vielen seine haltlose Behauptung, Joe Biden würde die USA in den „Sozialismus“ führen.

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Doch statt ein bewundernswerter Sieger oder auch ein knapper Verlierer mit Würde zu werden, hat der Präsident in Trump-Manier noch am Wahlabend alles mit Füßen getreten, was die US-Demokratie, was jede Demokratie ausmacht. Er rief sich vorzeitig zum Sieger aus und forderte, die Stimmauszählung abzubrechen und beschmutzte das gesetzmäßige, seit Jahrhunderten gültige Prozedere einer Wahl als „Betrug“.

Trump beschädigt die Demokratie in dem Land, das mal Vorbild aller Demokraten war. Und er hetzt seine Anhänger gegen die andere Hälfte auf. Wenn nun Joe Biden doch noch siegen sollte, ist die Saat für Gewalt gesät. Ohne Not stürzt Trump die USA noch tiefer ins Chaos. Das lässt Böses ahnen für die nächsten vier Jahre.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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