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Vor der Präsidentschafts-Wahl: Trump gegen Biden - die USA am Scheideweg

MIKE SCHIER
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Vier Jahre lang wurden quasi täglich so viele Ungeheuerlichkeiten aus dem Weißen Haus vermeldet, dass sich eine Bilanz der Ära Trump erübrigt.

Man mag sich kaum vorstellen, was eine zweite Amtszeit – noch dazu ohne das Korrektiv, sich danach nochmals dem Wähler stellen zu müssen – für die USA, aber auch Nato und die westliche Welt bedeuten könnte. Die US-Bürger entscheiden deshalb heute darüber, ob ihr Land noch als Führungsmacht des Westens fungieren will und kann. Mit Donald Trump ist das quasi ausgeschlossen, aber selbst bei einem Sieg von Joe Biden nicht selbstverständlich.

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Nie ging es in diesem Wahlkampf um die Frage, ob die Kandidaten eher konservativ oder liberal ticken; Inhalte spielten eigentlich überhaupt keine Rolle. Im Kulturkampf schert man sich nicht um Details. Stattdessen wird 2020 ernsthaft infrage gestellt, ob der Präsident eine Wahlniederlage akzeptieren würde. Man hofft, dass das Ergebnis eindeutig ausfällt, damit nicht der demokratische Prozess als Ganzes infrage gestellt wird – und zwar vom Amtsinhaber persönlich. Verrückt! Die Vorzeichen sind düster: Endlose Schlangen von Frühwählern, Einschüchterungs- und Manipulationsversuche, bewaffnete Milizen und verbarrikadierte Geschäfte dokumentieren ein Land in Schieflage. Man muss sich sorgen.

Berlin wolle ihn loswerden, klagt Trump. Da hat er Recht. Fast ganz Europa will das. Doch blinde Hoffnung, mit Biden werde alles besser, wäre naiv. Die Gräben im Land sind einfach zu tief, und auch das Porzellan, das Trump im westlichen Bündnis zerschlagen hat, wird ein 77-Jähriger nicht mal schnell kitten können. Trotzdem: Wenn die Ego-Show enden und im Weißen Haus einfach wieder mit Ratio regiert würde, wäre schon viel gewonnen.

Mike.Schier@ovb.net

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