Meinung

US-Außenpolitik: Bidens Balanceakt für Riad

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In der Ära Donald Trump musste Saudi-Arabien von Washington nicht viel befürchten. Der Ex-Präsident hielt nicht nur jenen für den saudischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman so belastenden Geheimdienste-Bericht im Mordfall des Journalisten Jamal Khashoggi unter Verschluss, den Nachfolger Joe Biden jetzt veröffentlichte.

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner hatte Berichten zufolge auch eine persönliche Chat-Verbindung mit dem Kronprinzen. Doch nun ist die Katze aus dem Sack – und Biden sieht nur gut fünf Wochen nach Amtsantritt, wie schwer es sein kann, vom Oval Office aus sich plötzlich an Wahlkampf-Aussagen zu halten.

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Denn Biden hatte 2020 Saudi-Arabien als „Aussätzigen-Staat“ abgestempelt, der keinen Wert habe und den man isolieren müsse. Doch mit dem Verzicht auf konkrete Sanktionen gegen den Kronprinzen lässt er nun eine der schärfsten und in der öffentlichen Wahrnehmung wirksamsten Strafmöglichkeiten ungenutzt.

Und prompt gibt es Proteste in der eigenen Partei, in Medien und bei Menschenrechts-Organisationen. Doch eines scheint klar: Trotz seiner Kampagnen-Salven gegen Riad will Biden die Tür für Hilfen der Saudis beispielsweise beim Thema Iran und Antiterror-Kampf offenhalten – auch wenn dies zu einem heiklen Balanceakt wird.

Politik@ovb.net

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