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Die Republikaner nach Trump: Die Abnabelung kann beginnen

MIKE SCHIER
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Der Noch-Präsident zieht so viel Scheinwerferlicht auf sich, dass die konservative Partei hinter Donald Trump fast vergessen wird.

Zu Unrecht, denn die Republikaner, die sich diesem Präsidenten erstaunlich klaglos ergeben hatten, haben kein schlechtes Ergebnis eingefahren: Die konservativen Hochburgen im Landesinneren wurden überwiegend verteidigt, ebenso die Mehrheit im US-Senat. Trump mag knapp (aber trotzdem eindeutig) abgewählt worden sein – die Partei jedoch steht stark da.

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Diese Feststellung ist wichtig für einen Prozess der Emanzipation, den die Republikaner in den kommenden Wochen einleiten dürften. Noch verhält sich die Partei sehr loyal, doch je unwürdiger Trump seinen Auszug aus dem Weißen Haus gestaltet, desto schneller könnte die Abnabelung vor sich gehen. Schon jetzt schlagen die Medien von Rupert Murdoch einen ganz neuen Ton an. Die lange loyale „New York Post“ titelte fast schon Biden-euphorisch: „Es ist Zeit für Joe“. Doch dieser Joe wird ohne den republikanisch dominierten Senat keine großen Vorhaben umsetzen können. Zugleich dominieren die Konservativen den Supreme Court.

Der künftige Präsident trifft auf eine selbstbewusste Partei, die schon vor Trump mit der „Tea Party“-Bewegung nach rechts rückte. In den letzten vier Jahren wurden diese harten Positionen mehrheitsfähig. Die nächste Führungsgeneration dürfte also weniger schillern als Trump – doch nichts deutet an, dass sie bei Migration oder ökonomischem Nationalismus gemäßigter vorgeht. Auf eine ausgestreckte Hand wird Biden vergeblich warten.

Mike.Schier@ovb.net

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