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Biden nach der Wahl: Ein schwacher Hoffnungsträger

MIKE SCHIER
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Eigentlich war das Feld bereitet: ein egomanischer Amtsinhaber mit einer farblosen, ständig wechselnden Ministerriege, dazu eine Pandemie mit 233 000 Toten und massiven Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Besser hätten die Vorzeichen für einen Herausforderer kaum sein können. Deshalb bleibt das Abschneiden des Demokraten Joe Biden enttäuschend – auch wenn es nach einer längeren Hängepartie noch zum Sieg reichen kann.

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Der Wahlkampf war grotesk: Biden punktete nur, weil er nicht Trump ist. Er hatte weder eine Agenda noch zukunftsfähige Themen. Wohin er das gespaltene Land eigentlich führen will, blieb unklar. Dazu kam eine müde Strategie: Viel zu lange verkroch sich Biden aus Angst vor Corona in den Keller seines Hauses in Delaware, während der Amtsinhaber nach seiner Genesung von Auftritt zu Auftritt jettete. Trump wollte gewinnen – unbedingt. Der gealterte Biden wirkte nur selten wie einer, der dieses mächtige Land kraftvoll führen kann.

Falls er die fehlenden Punkte holt, wird genau das von ihm verlangt, auch wenn Trump das Feld kaum kampflos räumen dürfte. Die Aufgabe ist gigantisch: Erst muss Biden einen geordneten Amtswechsel herbeiführen, dann die Scherben zusammenkehren, die sein Vorgänger hinterlässt. Innen- wie außenpolitisch. Und auch in seiner Partei gibt es einen Riss zu kitten: Längst spalten sich die Demokraten in eine junge, kämpferische und immer lauter werdende Linke in den Großstädten und die eher moderate, ältere Basis am Land. Es ist schwer vorstellbar, dass der 77-Jährige die Kraft aufbringt, all diese Aufgaben zu bewältigen.

Mike.Schier@ovb.net

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