US-Handelskrieg mit China Pekings Trumpf gegen Trump

US-Handelskrieg mit China. Pekings Trumpf gegen Trump .

GEORG ANASTASIADIS

Hat Trump geflunktert, als er beim G7-Gipfel verkündete, die Chinesen wollten im Handelskrieg zurück an den Verhandlungstisch? Während Wall Street die (vermeintliche) Entspannung sofort mit einem Kursfeuerwerk feierte, gibt sich Peking ahnungslos. Der Poker geht weiter.

China kämpft um seinen Aufstieg zu einer Amerika ebenbürtigen Supermacht. Trump (auch) um seine Wiederwahl. Und manches deutet im Moment darauf hin, dass der US-Präsident sein Blatt überreizt hat. Seine Erwartung, Peking werde aus Sorge vor Wohlstandseinbußen für seine Bürger und entsprechende Unruhen einlenken, hat sich bisher nicht erfüllt. Vielmehr hat sein Gegenspieler Xi Jinping die Chinesen mit der Parole, das Land befinde sich im Konflikt mit den USA auf einem neuen „langen Marsch“, in einen nationalen Rausch versetzt. Dazu trugen auch die Demütigungen bei, die der twitternde Präsident den stets um Gesichtswahrung bemühten Asiaten zufügte.

Die Leidensfähigkeit des chinesischen Volkes ist beträchtlich. Dagegen ist die Geduld der Börsianer an Wall Street begrenzt. Ein Absturz der Kurse wäre auch für die heißblütigsten Trump-Fans eine eiskalte Dusche. Will Trump 2020 wiedergewählt werden, muss er liefern. Xi, der Herrscher über die mächtigste Planwirtschaft der Welt, kennt solche lästige demokratische Zwänge nicht. Er kann warten, bis Trump auf ihn zukommt. Oder abgewählt wird.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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