US-Drohung mit Abzug Warum wir gut hinhören sollten

US-Drohung mit Abzug. Warum wir gut hinhören sollten .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

In einem erratischen Auf und Ab redet die US-Regierung über ihre Militärpräsenz in Deutschland. Jetzt droht der Botschafter mit einer Verlagerung nach Polen. Polit-Gerassel vor Trumps Europa-Reisen? Sicher. Die Drohung trifft aber einen wunden Punkt. Für Deutschland, Bayern (gerade die Oberpfalz) sind Zehntausende US-Soldaten, Familien, die daran hängenden Jobs und Investitionen ein Milliarden-Faktor. Im Moment spürt man das – zum Glück – direkter als den sicherheitspolitischen Nutzen.

Europa muss eine Antwort darauf finden. Da geht’s nicht nur ums nackte Zwei-Prozent-Ziel für deutsche Militärausgaben, sondern auch um Infrastruktur für Truppenbewegungen, um einen vernetzten Ansatz aus Verteidigungspolitik, Migrationspolitik, Entwicklungshilfe und Auslandseinsätzen. Weiterwursteln und auf die gegenwärtige US-Politik schimpfen – das genügt nicht.

Uns Deutschen muss klar sein: Trump und sein „diplomatisches“ Personal gehen vorüber, in anderthalb bis notfalls fünfeinhalb Jahren. Auf unteren politischen Ebenen, in Gesellschaft und Wirtschaft kann man bis dahin die großartige transatlantische Freundschaft und Wertegemeinschaft so wahren, dass Trump sie nicht restlos in Trümmer schlagen kann. Was bleiben wird, ist aber der Ruf nach fairer Lastenteilung in der Verteidigung Europas. Weder hat Trump das erfunden, noch irrt er im Urteil, dass Deutschland sich in der Sicherheitspolitik wegduckt. Das endlich zu ändern, Strukturen und Management zu verbessern, wäre kein Gefallen an die USA, sondern ein überfälliges Anerkennen der Realität.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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