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Meinung

Mindestlohn in der Pflege: Urteil verschärft die Situation der Familien

Katrin Woitsch online rahmen
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Katrin Woitsch
  • Katrin Woitsch
    VonKatrin Woitsch
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Fast jeder kennt eine Familie, die durch eine Pflegekraft aus dem Ausland unterstützt wird. Das Pflegesystem in Deutschland wäre ohne diese Fachkräfte längst zusammengebrochen. Dass viele von ihnen nicht angemessen bezahlt werden, war nie ein Geheimnis.

Nun hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass ausländischen Pflegekräften ein Mindestlohn gezahlt werden muss – für ihre Arbeitszeit und für die Bereitschaftszeit. Dieses Urteil ist richtig und war überfällig. Aber für sehr viele Angehörige von Pflegebedürftigen ist es eine Katastrophe. Die 24-Stunden-Pflege zu Hause wird sich kaum noch eine Familie leisten können. Auch Plätze in Pflegeheimen sind teuer – und die Wartelisten lang. Und nur die wenigsten Familien werden es schaffen, die Pflege ihrer Liebsten komplett selbst zu übernehmen.

Weitere Kommentare zu politischen und gesellschaftlichen Themen finden Sie hier.

Die Politik schiebt das Pflegeproblem, das in unserer alternden Gesellschaft immer größer wird, seit Jahren vor sich her. Weil niemand eine bezahlbare Lösung weiß. Pflegende Angehörige müssen das nun büßen. Durch das Grundsatzurteil ist der Druck noch größer geworden, kreativ zu werden und Entlastungsmöglichkeiten für betroffene Familien zu finden. Das muss schnell gehen. Sonst werden viele plötzlich unbeschäftigte ausländische Pflegekräfte, die auf die Arbeit in Deutschland angewiesen sind, ihre Unterstützung auf dem Schwarzmarkt anbieten. Ohne faire Bezahlung und ohne Qualitätsstandards. Das wäre die schlechteste Lösung.

Katrin.Woitsch@ovb.net

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