„Unwort“ Klimahysterie Ein Missgriff der Sprachkritiker

„Unwort“ Klimahysterie. Ein Missgriff der Sprachkritiker .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Worte sind eine komplexe Sache. Sie können vereinfachen, verdecken, verzerren. Jeder weiß, dass der Zitronenfalter nicht Zitronen faltet, aber manche glauben blind, dass eine „Umwelthilfe“ der Umwelt hilft. Ein kluger und aufmerksamer Umgang mit Sprache ist da umso wichtiger, ein Hinterfragen von Begriffen und gegebenenfalls der Verzicht darauf. Nur: Die Auswahl des neuen Unworts des Jahres – „Klimahysterie“ – greift erschreckend weit daneben.

Es mag den selbst ernannten Sprachkritikern ins politische Weltbild passen, dass auch die AfD den Begriff prominent verwendet. Zum gefälligst zu ächtenden Un-Wort wird die „Klimahysterie“ allein dadurch aber nicht. Es muss in der aktuellen Debatte um Umwelt- und Klimaschutz nämlich auch aufgezeigt werden, wo Forderungen zu weit gehen. Vernünftiger Klimaschutz bewegt sich in der breiten Mitte zwischen dem Ignorieren der großteils menschengemachten Erderwärmung hier und der totalen Greta-Panik da. Der CO2-Reduktion alles Handeln so radikal unterzuordnen, dass der Wohlstand dieser und künftiger Generationen, der Fortschritt und am besten auch gleich unsere Demokratie dafür preiszugeben sind – das ist Hysterie.

Wo achtzugeben wäre auf die Sprache, ist vor allen in den hasserfüllten Echokammern des Internets. Der aktuelle Unwort-Missgriff folgt hingegen der schlechten Sitte, politisches Handeln als alternativlos darzustellen und Kritik daran als radikalisiertes Geschwätz abzutun.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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