Meinung

Ein Jahr SPD-Doppelspitze: Unsichtbare Blauhelme

-
+
-
  • Mike Schier
    vonMike Schier
    schließen

Zum Jahrestag ihrer Wahl fällt es einem wieder ein: Die Vorsitzenden der SPD heißen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans.

Während man bei den Grünen nachgrübeln muss, wer unter dem dominanten Duo Baerbock/Habeck die Fraktion führen darf, hat sich das in mühsamem Procedere von der Parteibasis gewählte SPD-Tandem weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Hatten sie sich anfangs mit Interviews überboten, fallen sie heute nicht mehr auf. Und machen so wenig falsch.

In einer normalen Partei wäre dies ein vernichtendes Zeugnis für zwei Vorsitzende. Aber die SPD ist keine normale Partei. Zumindest war sie es nicht, als Esken/Walter-Borjans (und mit ihnen Kevin Kühnert) das Ruder übernahmen. Die internen Klein- und Großkriege zwischen den GroKo-Regierenden und dem linken Flügel überlagerten alles, in der Außendarstellung gab die Partei ein verheerendes Bild ab.

Das OVB auf Facebook: Folgt uns und diskutiert mit anderen Lesern über Themen, die die Region bewegen.

2020 herrscht dagegen wohltuende Ruhe an der SPD-Front. Dazu mag zwar Corona genauso viel beigetragen haben wie die Parteispitze. Ihr Blauhelmeinsatz in der eigenen Partei wurde erst zum Erfolg, als die beiden bei der Kür des Kanzlerkandidaten Olaf Scholz, der gegen sie kurz zuvor noch verloren hatte, uneitel zurückstanden und dadurch den Aufstand von links unterbanden. Mission erfüllt.

In den Umfragen macht sich all das bislang kaum bemerkbar. Immerhin ist der scheinbar endlose Absturz gestoppt. Nun muss die SPD auf Hilfe von außen hoffen – und eigentlich einen Kanzlerkandidaten Friedrich Merz.

Mike.Schier@ovb.net

Kommentare