Unionswähler wollen ihn als Kanzler Söder schläft bei offenem Fenster

Unionswähler wollen ihn als Kanzler. Söder schläft bei offenem Fenster .

GEORG ANASTASIADIS

Es gibt einen Taktgeber in der Union, und dieser Taktgeber heißt nicht mehr Merkel, auch nicht Kramp-Karrenbauer oder Merz oder Laschet. Sondern Markus Söder. Mit seiner (richtigen) Forderung nach einer personellen Neuaufstellung der Bundesregierung hat der CSU-Chef am Wochenende ein mittleres Erdbeben ausgelöst, und sein zweiter Streich folgte sogleich: Laut einer neuen Umfrage möchte eine (knappe) Mehrheit der Unionswähler den sanft ergrünten Franken jetzt als Kanzlerkandidaten.

Söders immer unverhüllter zum Ausdruck gebrachter Machtanspruch will so gar nicht zu seinem stets beteuerten Desinteresse an der Kanzlerschaft passen. So ungewohnt bescheiden tritt der 53-Jährige auf, dass argwöhnische Naturen schon eine Strategie dahinter wittern: Je energischer Söder eigene Ambitionen dementiert, desto lauter könnte der Ruf werden, er müsse es machen, um die Unionsmandate in Berlin zu retten. Man muss ja nur für einen Moment die Augen schließen und sich AKK oder Laschet im großen TV-Duell mit Grünen-Chef Robert Habeck vorstellen. Kein Wunder, dass da schon jetzt manchem in der Union das Herz in die Hose rutscht.

Trotzdem spricht die historische Erfahrung dafür, dass die CDU, wenn sie die Chance hat, das Kanzleramt zu halten, keinem CSU-Politiker den Vortritt lässt. Münchner Regenten werden lieber in schwierige oder für aussichtslos gehaltene Wahlschlachten geschickt, wie einst Strauß und Stoiber. Aber man weiß ja nie. Man tut Markus Söder wohl nicht grob Unrecht mit der Vermutung, dass er derzeit bei offenem Fenster schläft, um den Ruf nicht zu überhören.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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