Unions-Kanzlerkandidatur Söders Wahl GEORG ANASTASIADIS

Unions-Kanzlerkandidatur. Söders Wahl .

GEORG ANASTASIADIS

Je bedrohlicher die Macht- und Führungsfrage über einer Partei schwebt, desto energischer verlangen die, die ihr gerne ausweichen würden, man müsse über„Inhalte reden“. Das ist vor dem CDU-Parteitag nicht anders. Doch die mantrahaften Appelle von Annegret Kramp-Karrenbauer verhallen, weil die Chefin den Delegierten auch inhaltlich wenig anzubieten hat. „Insolvent“, urteilt die Südwest-CDU, sei die Bundespartei. Seit Jahren, klagt nun auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer, höre er „dieselben Klagen über zu hohe Energiekosten, die Steuerbelastung und die Bürokratie“. Nur müsse seine Partei dann eben auch was tun, das könne doch „kein Hexenwerk“ sein. Oder etwa doch? Während SPD und Grüne sich in ihren Forderungen überbieten, verwaltet die Union routiniert ihre Macht im Kanzleramt. Inhaltliche Vorstöße sind von ihr schon lange nicht mehr zu vernehmen. Zum Ärger Kretschmers, für dessen Prophezeiung es ebenfalls keiner hexerischen Begabung bedarf: „Entweder wir ändern unsere Politik, oder die Leute ändern die Zusammensetzung des Bundestags“.

Der eklatante Mangel an inhaltlichen Impulsen führt schnurstracks zu machtpolitischen Überlegungen – also der Frage, welcher der Kandidaten der erschöpften Union das schmerzlich vermisste Profil zurückgeben und ihren Volkspartei-Status verteidigen könnte. Diese Frage wird den Leipziger Parteitag prägen, und der Versuch der Establishments von CDU und CSU, einer Antwort auszuweichen, wird auf Dauer das Gegenteil von Ruhe bewirken.

Markus Söder, der starke Mann der CSU (und vielleicht bald auch der gesamten Union), hat sich den Turbulenzen in der Schwesterpartei klugerweise so gut es ging entzogen. Doch auch seine Appelle zur Geschlossenheit verhallen, solange die Umstände so sind, wie sie in der CDU nun mal sind. Irgendwann muss auch Söder Farbe bekennen: Unterstützt er die Kräfte, die in der CDU für den Neuaufbruch mit Merz oder Spahn kämpfen? Oder verhilft er, was manche glauben, Armin Laschet, dem letzten Aufgebot der Ära Merkel, zur Kanzlerkandidatur? Das wäre aus Sicht vieler CSU-Stammwähler akut erklärungsbedürftig.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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