Unbeschwert, aber nicht leichtsinnig

Maas will Reisewarnung lockern. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Manchmal ist ein Außenminister gar kein so mächtiger Mann. Wenn Heiko Maas bald seine weltweite Reisewarnung für Europa lockert, klingt das nach Freiheit, Sandstrand und jubelnd hochgerissenem Schlagbaum. In Wahrheit zeichnet er nur nach, was bereits Realität ist. Die globale Warnung war alarmierend, Mallorca und Jesolo in einer Liga mit Somalia, aber sie blieb unverbindlich: ein Ratschlag, kein Verbot. Und seit dem Lockern von Grenzkontrollen und Quarantäne sind die Deutschen längst wieder unterwegs durch die Nachbarländer.

Gut so? Ja, aber: Maas hatte im März Recht mit seinem drastischen Schritt. Zum Start der ersten Corona-Welle holte der Bund auf Steuerkosten – also: die Allgemeinheit bezahlt – hunderttausende Urlauber heim. Gleichzeitig gerieten durch eilige Heimreisen vor allem aus dem bis heute nicht ausgemisteten Corona-Saustall Ischgl die Infektionsketten außer Kontrolle. Da gab es schon ein übergeordnetes Interesse, Reisen zu vermindern, bis die Infektionslage wieder beherrschbar ist. Verbrauchern half die Reisewarnung zudem beim Stornieren.

Diese Akutphase ist – vorerst – vorbei, eigentlich spätestens seit Mai. Natürlich muss Reisen wieder möglich sein im vereinten Europa, mittelfristig auch weltweit. Das funktioniert, solange der Einzelne die Grenzen seines Urlaubs genau zieht – nämlich zwischen Unbeschwertheit und Leichtsinn. Kein Außenminister muss das einschränken. Er darf aber wohl darauf hinweisen, dass seine Rückreise-Vollkasko auf Kosten Dritter nicht zweimal hilft.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Kommentare