Vize-Debatte in den USA: Überraschend gute Ersatzbank

FRIEDEMANN DIEDERICHS
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FRIEDEMANN DIEDERICHS

Es war ein Debattenabend der US-Vizepräsidentschaftskandidaten, an dem es am Ende vor allem zwei Gewinne gab.

Die Einsicht, dass – gemessen am chaotischen Duell Trump-Biden – doch noch ziviler Umgang im politischen Diskurs existiert. Und dann die Fliege, die auf dem weißen Haar des Trump-Stellvertreters Mike Pence landete und in den sozialen Medien ungeheure Popularität erfuhr. Ansonsten wird man sich in wenigen Wochen an die Details des Treffens zwischen Pence und Kamala Harris kaum erinnern. Was eigentlich schade ist. Denn es gibt durchaus wichtige Schlussfolgerungen.

Die erste ist: Pence, der sich jedes kritische Wort zu seinem Chef verkniff, wäre vermutlich der bessere Präsident – vor allem durch seinen sachlich-analytischen Ansatz, der bei der Bekämpfung der Pandemie gefragt ist und über den Trump nicht verfügt. Das zweite Fazit: Sollte Joe Biden mit seinen 77 Jahren siegen und die erste Amtszeit nicht durchstehen, wäre Harris durchaus eine kompetente Nachfolgerin. Allerdings stellt sich die Frage, wie das Land den dramatischen Linksruck verkraften würde, für den Biden und Harris stehen – mit ihrem Konzept von Steuererhöhungen bis hin zu einer radikalen Änderung in der Energiepolitik, die zehntausende von Jobs kosten würde. Unterm Strich gilt: Die Präsidenten-Ersatzbank ist auf beiden Seiten nicht schlecht bestückt.

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