Trumps Nahostplan Diktat zur Unterwerfung MARCUS MÄCKLER

Trumps Nahostplan. Diktat zur Unterwerfung .

MARCUS MÄCKLER

Sie applaudierten sich, klatschten sich ab, klopften einander auf die Schultern. Für Donald Trump und Benjamin Netanjahu war die Vorstellung des so genannten Friedensplans ein einziger Genuss. Wie herrlich ließ sich so vom Impeachmentverfahren des einen und der Korruptionsanklage des anderen ablenken. Dass der Nahost-Plan dazu geeignet ist, alles zu schaffen außer Frieden – für die beiden Herren offenbar reine Nebensache.

Inhaltlich ist der Plan eine einzige Anmaßung. Zwar sieht er eine Zwei-Staaten-Lösung vor, aber ein künftiges Palästina sähe aus wie ein zerklüftetes Archipel. Zwar ist von einer palästinensischen Hauptstadt in Ost-Jerusalem die Rede, aber wohl nur in unbedeutenden Randbezirken. Zwar würde sich das Palästinenser-Gebiet vergrößern, aber vor allem in die Wüste hinein – die völkerrechtswidrigen Siedlungen im Westjordanland blieben. Trumps Freund Netanjahu hat – vor einer wichtigen Wahl – bekommen, was er wollte. Die Palästinenser, zu Statisten degradiert, sollen die bittere Pille nun schlucken.

Aber mit einem Diktat lässt sich kein Frieden machen, damit schafft man Herrscher und Beherrschte. Der Plan verlangt von den Palästinensern nicht weniger als Unterwerfung – und er dient Netanjahu als Blankoscheck. Die Annexion des Westjordanlands, heißt es, soll bald beginnen. Und vielleicht war genau das das Kalkül: Ein Deckmäntelchen herrichten, unter dem kaum revidierbare Fakten geschaffen werden.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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