Trumps Grönland-Affront Außenpolitik als „Deal“

Trumps Grönland-Affront. Außenpolitik als „Deal“ .

FRIEDEMANN DIEDERICHS

Es ist schon ein Affront besonderer Qualität für einen europäischen Partner wie Dänemark, wenn ein amtierender US-Präsident einen geplanten Staatsbesuch sprichwörtlich über Nacht und dann auch noch auf Twitter absagt – und das mit verhöhnendem Unterton durch den Unwillen der Regierung in Kopenhagen begründet, über den Verkauf von Grönland zu reden. Damit werden einmal mehr zwei Dinge klar: Um gute Verhältnisse zu den Europäern schert sich Trump nicht, und das trifft neben Dänemark auch Deutschland. Und: Außenpolitik und Diplomatie definiert der frühere Immobilien-Jongleur vor allem durch das Schielen auf „Deals“, so provokant und illusorisch sie – siehe Grönland – auch sein mögen.

Wie weit ihn das gebracht hat, zeigt sein Streben nach einem „Geschäft“ mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Schlecht vorbereitet und überhastet verkündete Trump hier bereits das Ende des nuklearen Zeitalters in Nordkorea, bevor überhaupt klar war, ob und wie weit Kim einlenken würde. Das beweist, dass Trump glaubt, nur den Mund öffnen zu müssen, um Dinge erreichen zu können. Doch mehr und mehr erkennen andere Nationen das Leichtgewicht im Weißen Haus, mit dem sie es zu tun haben. Und immer mehr Regierungen – inklusive nun auch der Dänen – hoffen, dass in eineinhalb Jahren dieser Spuk vorbei sein wird.

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