Trumps „Frieden“ mit den Taliban Rette sich, wer kann

Trumps „Frieden“ mit den Taliban. Rette sich, wer kann .

ALEXANDER WEBER

Im Schatten der weltweiten Aufmerksamkeit für die Corona-Pandemie hat US-Präsident Donald Trump mit den Taliban seinen persönlichen Frieden gemacht. In Doha schlossen seine Emissäre ein Abkommen, das den Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan bis Frühjahr 2021 regelt, den Rest sollen „Friedensgespräche“ zwischen den Mittelalter-Kriegern und der Regierung in Kabul regeln. „Kapitulationsgespräche“ wäre richtiger. Denn selbst Trump hat jetzt eingeräumt, dass am Hindukusch bald wieder die Taliban an der Macht sein werden. „Irgendwann müssen sie sich selber schützen“, meint der Herr im Weißen Haus lapidar und setzt damit einen Schlusspunkt unter den opferreichen Kampf westlicher Soldaten, den afghanischen Männern und Frauen (!) eine friedliche, demokratische Perspektive zu eröffnen.

Trump hatte seinen Anhängern versprochen, die US-Truppen von internationalen Konfliktherden abzuziehen. Insofern handelt er wenige Monate vor der US-Wahl konsequent. Doch Trumps Afghanistan-Deal erinnert fatal an den Vietnam-Krieg. Der Friedensschluss von 1973 war nichts anderes als das Im-Stich-Lassen des Bündnispartners Südvietnam, der wenig später dem Norden zum Opfer fiel. Wie diese neue Schmach zum Weltmacht-Anspruch Amerikas passt, bleibt Trumps Geheimnis.

Alexander.Weber@ovb.net

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