Trumps Einsatz für Hongkong Richtige Entscheidung, falsche Gründe

Trumps Einsatz für Hongkong. Richtige Entscheidung, falsche Gründe .

MARC BEYER

Einmal mehr hat die Welt am Mittwoch erfahren, welches Bild Donald Trump von sich hat. Seine schon heute legendäre Fotomontage – Kopf Trump, Körper Rocky Balboa – zeigt ihn bretthart, durchtrainiert, allzeit zum Kampf bereit. Als habe er diesen Eindruck noch betonen wollen, unterzeichnete der US-Präsident Stunden später zwei Gesetze zur Stärkung der Demokratie in Hongkong. Ein Koloss wie er schreckt vor niemandem zurück. Auch nicht vor einem Schwergewicht wie China.

Die Kraftmeierei kaschiert allerdings nicht, dass der Präsident in all den Jahren nie als China-Kritiker aufgefallen ist, wenn es um Menschenrechte ging. Meinungsfreiheit ist ihm nur dann ein Anliegen, wenn die geäußerte Meinung in seinem Sinne ist. Die Anregung Richtung Fernost, man möge Konflikte künftig bitte „freundschaftlich regeln“, klingt aus seinem Munde wie blanker Hohn.

Trump weiß, dass ein Veto gegen die vom Kongress beschlossenen Gesetze mit einer parteiübergreifenden Mehrheit ausgehebelt worden wäre. Für den Wahlkämpfer wäre das so schmerzhaft gewesen wie für den Staatenlenker und Schwergewichtsboxer. Die Muskelspiele passen zudem in das Muster seiner Verhandlungstaktik, die auch im Handelskonflikt mit China immer wieder von Eskalation geprägt ist. Am Ende hat er, untypisch für ihn, zwar die richtige Entscheidung getroffen. Er tut es aber – das ist wieder typisch – aus den falschen Gründen.

Marc.Beyer@ovb.net

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