Trump-Rede zu Khashoggi Gefährlicher Treueschwur FRIEDEMANN DIEDERICHS

Trump-Rede zu Khashoggi. Gefährlicher Treueschwur .

FRIEDEMANN DIEDERICHS

„Die Welt ist ein gefährlicher Ort.“ So beginnt das Statement, mit dem der US-Präsidenten dem saudischen Regime einen Freifahrtsschein ausgestellt hat. Ein Satz, der offenbar klar machen soll: Selbst die Supermacht USA sieht sich außerstande zu verhindern, dass Verbündete wie Riad Killerkommandos aussenden, um in einem anderen Staat Kritiker töten zu lassen. Der US-Präsident hat vermutlich noch nicht einmal begriffen, welches Armutszeugnis seine ersten sechs Worte darstellen. Sie sind ein provokanter Offenbarungseid, der Hand in Hand geht mit dem Verfall der moralischen Autorität der Vereinigten Staaten – der sich unter der Präsidentschaft Donald Trumps beschleunigt hat.

Trump, der die Erkenntnisse des eigenen Geheimdienstes zu den Auftraggebern der Ermordung Khashoggis wie lästige Kuchenkrümel vom Tisch gewischt hat, ignoriert bei seiner ganz auf den Wirtschafts- und Benzinpreis-Aspekt reduzierten Strategie die große Gefahr seines Schmusekurses: Er begibt sich in eine gefährliche Abhängigkeit von Saudi-Arabien, indem er glasklar signalisiert, dass ihm die wirtschaftlichen Aspekte wichtiger sind als alles andere. Der Treueschwur gegenüber dem nach Ansicht der CIA hochkriminellen Kronprinzen („unverbrüchlich“) schränkt jedoch seine politischen wie auch militärischen Optionen ein, von der fatalen öffentlichen Signalwirkung ganz zu schweigen. Und er wirft natürlich auch die Frage auf, ob und – wenn ja – in welchem Umfang der Trump-Clan finanzielle Interessen im Königreich hat.

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