Trump und Corona Der letzte Furchtlose MARCUS MÄCKLER

Trump und Corona. Der letzte Furchtlose .

MARCUS MÄCKLER

Widerworte sind für Donald Trump Hochverrat, zahlreiche Ex-Minister und Ex-Berater können das bezeugen. Die Schar der Furchtlosen im Umfeld der US-Regierung ist entsprechend klein geworden. Umso mehr sticht der Virologe und Trump-Berater Anthony Fauci heraus. Am Wochenende warf er der US-Regierung vor, zu spät auf die Corona-Krise reagiert zu haben. Es hätten Leben gerettet werden können, sagte er. Aber es geschah nicht.

Das traut sich in dieser Deutlichkeit kaum noch jemand in Washington. Längst ist Fauci mit seiner faktenbasierten Argumentationsweise zu einer Art Gegengewicht zum raunenden US-Präsidenten geworden – mehr beinahe als Trumps politischer Herausforderer Joe Biden. Dass Anhänger des Präsidenten inzwischen unter dem Stichwort „#FauciFraud“ (etwa Betrüger Fauci) eine Kampagne gegen den Wissenschaftler gestartet haben, zeigt, wie sehr sie die Kraft der Fakten fürchten. Hohe Infektions- und Todeszahlen lassen sich halt nicht wegtwittern.

Allerdings hat Trump bisher immer einen Weg gefunden, sich selbst aus den größten Zwickmühlen herauszuwinden. Auch in der Corona-Krise scheint seine Strategie, alle Schuld auf die Demokraten und seine Berater zu schieben, bei vielen zu verfangen. Während die Todeszahlen gerade in New York steigen und steigen, steigt auch Trumps Beliebtheit bei den Amerikanern. Die Hoffnung, Corona möge den Präsidenten nun endlich als Blender enttarnen, ist eine sehr europäische. Daran ändern offenbar auch die Faucis dieser Welt nichts.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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