Meinung

Immer mehr Elektromobilität in Bayern: Träume treffen auf Wirklichkeit

-
+
-
  • vonMartin Prem
    schließen

Auf den ersten Blick eine beachtliche Zahl: 11,5 Prozent aller 2020 in Bayern bisher zugelassenen Autos sind elektrisch angetrieben oder zumindest Plug-in-Hybride – dreimal so viele wie 2019. Hat die immer weiter ausgebaute Förderung endlich den Bann gebrochen? Wandern Benziner und Diesel bald aufs Abstellgleis? Wahrscheinlich ist die Hoffnung verfrüht.

Denn noch immer sind viele Fragen zur Zukunft der Elektromobilität offen. Vor allem die Frage der Ladeinfrastruktur bleibt ungelöst. Es geht nicht so sehr um die bisher im Mittelpunkt stehende Zahl der Ladesäulen, sondern vor allem um deren Einbindung in die Stromversorgung. Elektroautos haben ökologisch in Deutschland nur Sinn, wenn es gelingt, die Batterien möglichst dann zu laden, wenn reichlich Ökostrom zur Verfügung steht. Nachts in der heimischen Garage ist das eher nicht der Fall.

Da haben es Länder, die eisern an Kernkraft und Kohle festhalten, leichter: Großkraftwerke liefern nächtliche Überschüsse. Bei Solarenergie fallen diese tagsüber und gehäuft mittags an. Wenn wir Elektromobilität und Energiewende unter einen Hut bringen wollen, müssen wir uns auf Lademöglichkeiten konzentrieren, wo Autos tagsüber in Massen abgestellt sind: auf Firmenparkplätzen, in Parkhäusern und in Park & Ride-Anlagen. Sonst treffen Blütenträume von umweltschonender Mobilität bald auf eine erbarmungslos nüchterne Wirklichkeit.

Martin.Prem@ovb.net

Kommentare