Ein Ticker sichert den Frieden nicht

Ansturm auf die Berge. KATRIN WOITSCH.

Tagesausflüge und Biergartenbesuche haben durch die Corona-Krise für die meisten Menschen in Bayern einen größeren Stellenwert bekommen. Das Bedürfnis, nach wochenlangen Ausgangsbeschränkungen draußen in der Natur zu sein, ist nachvollziehbar groß. Und Wirte und Hoteliers sind mehr denn je auf die (Tages-)Touristen angewiesen. Doch ohne Unterstützung können die beliebtesten Regionen den Ansturm nicht meistern. Der neue bayernweite Internet-Ticker ist dazu ein wichtiger erster Schritt. Aber er ist noch sehr ausbaufähig. Es fehlen zum Beispiel Hinweise für alternative Anfahrtsmöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Solange BOB und Werdenfelsbahn an Wochenenden hoffnungslos überfüllt sind, werden viele Regionen weiterhin mit Staus und überfüllten Parkplätzen zu kämpfen haben.

Allein mit dem Versuch, die Besucher zu lenken, ist der Friede in den Ausflugsregionen aber nicht gesichert. Erst vor Kurzem ist im Kreis Miesbach ein Naturschutzbeauftragter angegriffen worden, weil er einen Mountainbiker auf ein Radverbot aufmerksam machte. Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Sportlern und Wanderern oder zwischen Ausflüglern und Anwohnern. Der Grund dafür ist nicht nur der Ansturm auf die Berge, sondern vor allem Rücksichts- und Gedankenlosigkeit. Es könnte ein positiver Nebeneffekt des neuen Ausflugs-Tickers sein, mehr dafür zu sensibilisieren, dass die Natur groß genug für alle ist – zumindest dann, wenn man bereit ist, sie zu teilen.

Katrin.Woitsch@ovb.net

Kommentare