Die CDU in Thüringen Mohring, der Orientierungslose

Die CDU in Thüringen. Mohring, der Orientierungslose .

MARCUS MÄCKLER

Zähne ziehen ohne Betäubung? Ist im Moment wohl angenehmer, als Mike Mohring zu sein. Die „Bild“ nannte ihn gestern einen „skrupellosen, machtgeilen Politiker ohne Anstand“. Mohring dürfte nach der Lektüre noch etwas trauriger geschaut haben als sonst. Und vielleicht dachte er sich kurz: Ihr könnt mich mal. Ihr, also alle.

Dabei stimmt es ja: Der CDU-Politiker hat nach der gefloppten Thüringen-Wahl kein gutes Bild abgegeben. Erst ließ er gefühlte dreieinhalb Sekunden nach der ersten Hochrechnung die eigentlich für die Ewigkeit gebaute Mauer zur Linkspartei bröckeln. Nach kurzem Zaudern brachte er eine kuriose Vier-Parteien-Minderheitsregierung unter seiner Führung ins Spiel – als habe er, der Herr minus zwölf Prozent, einen Regierungsauftrag.

Beides klingt aber weniger skrupel- als orientierungslos. Was soll er auch machen? Die Parteispitze in Berlin knatscht (bloß nicht mit links oder rechts), Teile der Basis knatschen (lass mal mit der AfD reden). Dass der AfD-Radikale Björn Höcke Mohring gestern anbot, eine Minderheitsregierung mit der FDP zu unterstützen, war eine böse Grätsche. Mohring musste ablehnen, Höcke kann jetzt den verschmähten Muster-Demokraten geben.

Es ist ganz einfach: Mohring hat diese Wahl verloren, eine Minderheitsregierung mit ihm als Chef wäre nur mit Stimmen von links oder rechts lebensfähig. Er hat keine Handlungsoptionen mehr. Das sollte er sich eingestehen.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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