Thüringen-Debatte immer schriller: Höckes Werk und Merkels Beitrag

  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Steht Deutschland an der Schwelle zum 4. Reich? Man könnte es fast glauben angesichts des immer schriller werdenden Tons rund um die Ereignisse in Thüringen.

Erfurt – Kein Vorwurf zu infam, kein Vergleich zu abwegig, um nicht bemüht zu werden – bis hin zu dem Bild, das den gerade ernannten Reichskanzler Hitler beim Handschlag mit Präsident Hindenburg zeigt. Gerade so, als sei Thüringens Kurzzeit-Ministerpräsident Kemmerich dessen Wiedergänger, der AfD-Chef Höcke zur Machtergreifung verhilft.

Mit Verlaub: Das ist Unsinn. CDU und FDP haben sich in Thüringen aufs Kreuz legen lassen. Sie haben einen schlimmen Fehler begangen, der aber sofort korrigiert wurde. Deswegen schimmern die FDP und ihr Chef Christian Lindner noch lange nicht bräunlich, und genauso wenig ist Ex-Ministerpräsident Ramelow der Hüter der Demokratie, als der er sich jetzt feiern lässt.

Seine SED-Nachfolgepartei ist bis heute von Kadern durchsetzt, die sich für Schießbefehl und Stasi-Terror nicht schämen. Manche im Westen vergessen, wie frisch für viele im Osten die Erinnerung an die DDR ist. Deshalb bereitet es der dortigen CDU ja diese Höllenqualen, dass sie, auch auf Wunsch etlicher West-Parteifreunde, die Steigbügelhalterin für die Linken geben soll.

Wovor man sich hingegen wirklich fürchten muss, ist die Tendenz zur Radikalisierung des Urteils, das Demokraten übereinander fällen. Wenn sich einfache FDP-Mitglieder jetzt als „Nazis“ beschimpfen lassen müssen, geht die Saat der AfD auf; sie zielt mit ihren immer neuen Manövern ja gerade auf die Zersetzung der politischen Kultur. Was ebenso Angst macht, ist die Implosion der einst stabilen Mitte, der CDU.

Sie freilich ist nicht das Werk der AfD. Sondern von Angela Merkel, die aus der Partei von Adenauer und Kohl eine leere Hülle gemacht hat. Wer von der CDU jetzt noch Leihstimmen für Ramelow erpresst, damit dieser nicht mit den Stimmen der AfD gewählt wird, beabsichtigt die Vollendung dieses Zerstörungswerks.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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