Ein Test für die neue Normalität

Radwege auf Zeit. MIKE SCHIER.

Radfahrer gegen Autofahrer – der Streit begann gefühlt kurz nachdem Nicolaus August Otto 1862 erste Experimente mit Viertaktmotoren unternahm. Er ist so alt, dass in den nachverdichteten Städten, die auch 2020 noch wachsende Zahlen an Radlern wie an Kfz-Zulassungen registrieren, keine Lösung im Konsens mehr möglich scheint. Doch zur Wahrheit gehört: Der Platz in der Stadt ist endlich – und Radler wie Fußgänger verbrauchen nun einmal weniger als stehende und fahrende Autos.

Die Corona-Zeiten, in denen viele den öffentlichen Nahverkehr meiden und auf Auto oder Rad ausweichen, haben die Diskussion nochmals verschärft – und zwar ausgerechnet in jenen Bereichen der Innenstadt, wo der Verkehr ohnehin am dichtesten ist. Jetzt, der Lockdown ist eigentlich schon vorbei, reagiert die Stadt darauf und markiert Radwege auf Zeit. Einfach mal testen, lautet die Devise. Mal sehen, wie Autofahrer und Radler reagieren.

Der Feldversuch mag sich clever anhören, ist aber eher Augenwischerei: Logisch, dass auch nach der Testphase vor allem die Autofahrer schimpfen werden, die auf eine Spur verzichten sollen. Irgendwann muss München Nägel mit Köpfen machen. Und bei einer grün-roten Stadtratsmehrheit kann man sich bereits vorstellen, wie das Ergebnis aussieht. Dazu braucht man keine Testphase.

Mike.Schier@ovb.net

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