Meinung

Terror gegen Wien: Zwischen Zivilisation und Barbarei

GEORG ANASTASIADIS
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GEORG ANASTASIADIS

Das teuflische Virus des Islamismus ist nicht besiegt. Es hat sich nur eine Weile versteckt, so wie sich das Coronavirus in diesem Sommer in unserer Mitte verborgen hat.

Jetzt hat es seine blutige Spur wieder aufgenommen. Sie führt quer durch Europas stolzeste Metropolen, von Dresden nach Paris, von Nizza nach Wien. Die Terroristen wollen die Europäer nicht nur ängstigen. Sie wollen uns auf den prächtigsten Bühnen unserer jüdisch-christlichen Kultur treffen.

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Über die Frustrationen, die Ungebildet- und Zurückgebliebenheit der Islamisten ist viel geschrieben worden; auch der Mörder von Wien war, wie der von Dresden, ein den Sicherheitskräften einschlägig bestens bekannter „Kunde“ (was seinen späteren Opfern leider nichts half, weil der Rechtsstaat den Gefährder und nicht die Bürger schützte). Weniger Aufmerksamkeit galt und gilt leider ihren politischen und religiösen Anstiftern: Diese sind es, die die Fanatiker ganz bewusst als Waffe gegen den Westen einsetzen. Das ist nicht nur der Sultan Erdogan, der dem Westen in dreister Verdrehung der Abläufe einen „Kreuzzug“ gegen den Islam vorwirft. Fast überall in der muslimischen Welt gab es, bis in Regierungskreise hinein, Bekundungen der Freude nach der Enthauptung des Pariser Lehrers Samuel Paty. Solcher „Ruhm“ spornt Nachahmungstäter an, es anderen Dschihadisten gleichzutun. Die Wut und der Hass treffen alle Länder des Westens – auch solche, deren Oberhäupter es für opportun hielten, sich nicht zu sehr mit dem angegriffenen Frankreich zu solidarisieren und sich lieber wegzuducken. Auch Angela Merkel, die zur Führerin der freien Welt proklamierte Kanzlerin, hat es mit Blick auf die drei Millionen Türkischstämmigen in Deutschland tunlichst vermieden, ein klares Wort an Ankara und andere Hauptstädte zu richten.

Und Deutschlands Bischöfe? Die müssen sich fragen lassen, wie es kommt, dass in ihren wohlfeilen Verurteilungen der Gewalt kaum je erwähnt wird, dass es ganz konkret Christen und Juden sind, die getötet werden. Der Bamberger Bischof Ludwig Schick rief Frankreichs Terroropfern noch die Mahnung hinterher, Beleidigungen von Religionen seien zu unterlassen. Schon wahr, und doch macht Schick im Subtext die Opfer zu Tätern: War Samuel Paty also doch ein bisschen selbst schuld an seiner Hinrichtung, weil er das Thema Meinungsfreiheit anhand der Mohammed-Karikaturen im Unterricht behandelte? Und war das Terroropfer von Dresden selbst schuld, weil der Mann seine Homosexualität nicht versteckte und damit den Propheten beleidigte? Es ist weit gekommen mit der Unterwerfung unter das Diktat von Steinzeitmenschen.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat Recht: Europa ist im „Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei“. Es muss ihn mit der erforderlichen Härte und Entschlossenheit führen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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