Terror-Debatte in Großbritannien Das nächste Trauerspiel

Terror-Debatte in Großbritannien. Das nächste Trauerspiel .

MARC BEYER

Wenn es darum geht, nach der Messerattacke von London die namenlosen Helden zu benennen, kommen einige in Frage. Jener Passant, der den Attentäter mit einem Feuerlöscher in Schach hielt, oder auch der, der den Stoßzahn eines Narwals einsetzte. Was auf der London Bridge geschah, ist ein eindrucksvoller Beweis, dass Not und Gefahr manchmal das Beste im Menschen zum Vorschein bringen.

Was folgte, ist leider ein ebenso bemerkenswerter Beleg, dass blutige Taten noch ganz andere Charakterzüge zutage fördern können. Die Aufarbeitung führte die Spitzenpolitiker zielsicher zu der einen, für sie entscheidenden Frage: Wer hat Schuld? Das Ergebnis, natürlich: der Gegner.

Es ist ein Schauspiel, das den Beobachter beschämen mag, aber keines, das überrascht. Die politische Aufarbeitung von Terrorattacken beschränkt sich niemals allein auf Sachargumente, dafür ist das Thema zu emotional. Auf der Insel kommt hinzu, dass das Land sich im Wahlkampf befindet und dass seit dem Beginn des Brexit-Dramas ohnehin mit härtesten Bandagen gekämpft wird. Kein Mittel ist zu verdorben, keine Lüge zu dreist, um nicht Kapital daraus zu schlagen. Man weiß das alles längst. Aber es stößt immer wieder aufs Neue ab.

Marc Beyer@ovb.net

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