PFLEGENDE ANGEHÖRIGE

Systemrelevant

Das Problem an sich ist bekannt, doch die neuen Zahlen sind dramatisch.

Vier Millionen Menschen werden 2035 in Deutschland auf Pflege angewiesen sein, lautet die neueste Prognose – eine Million mehr als 2015. Und das, wo es doch heute schon zu wenig Pflegekräfte gibt.

Deutschland droht also eine gigantische Personallücke. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will sie schließen, indem er die Bezahlung der Pflegekräfte verbessert und Personal aus dem Ausland anwirbt. Und Spahn liegt damit nicht falsch. Ohne mehr professionelle Pflegekräfte wird das System eines Tages fraglos zusammenbrechen. Doch genauso wahr ist: Ohne unprofessionelle Pflegekräfte wäre dieses System schon längst zusammengebrochen. Deutschlands wichtigster Pflegedienst sind die Familien. 86 Prozent der Deutschen geben in einer Umfrage der Techniker Krankenkasse an, sie würden nahe Angehörige pflegen, wenn nötig. 61 Prozent von ihnen würden dazu sogar beruflich kürzertreten, in Bayern behaupten dies sogar 69 Prozent. Bundesweit ist das spitze. Und dass das alles keine leeren Versprechen sind, zeigt sich daran, dass schon heute 70 Prozent der Pflegebedürftigen zuhause versorgt werden.

Wer also die Versorgung in Deutschland sichern will, sollte in Fachkräfte investieren, aber genauso in pflegende Angehörige. In mehr Kurzzeitpflegeplätze, in mehr finanzielle und personelle Unterstützung, in mehr Beratungsangebote. Dabei geht es nicht um Wohltaten, sondern darum, eine systemrelevante Säule zu stützen.

Sebastian Horsch

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