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Die AfD in Syrien: Zu durchsichtig, um zu verfangen

Oh, wie schön ist Syrien. Und wie sicher – findet die AfD. Zum zweiten Mal schickte die Bundestagsfraktion eine Abordnung ins Bürgerkriegsland, um zu beweisen, dass es dort gar nicht so schlimm ist, wie hierzulande stets geschrieben wird.

Von MARCUS MÄCKLER

Die Abgeordneten kehrten lebend und mit einer fröhlich-zynischen Reiseempfehlung zurück: Wer in Syrien urlaubt, der hilft dem Land.

AfD-Gruppe trifft Großmufti, der mit Terror gedroht hatte

Der große Reiseboom wird trotzdem ausbleiben, das hat seine Gründe. In Idlib wird noch gekämpft, in den Kurdengebieten – zur Freude des IS – wieder. Vom hochgesicherten Damaskus aus ist das freilich kaum zu erkennen. Dort hatten die AfD-Leute aber ihre Termine, trafen vor allem Regierungsvertreter (wie ausgewogen) sowie Syriens Großmufti, der 2011 mit Attentaten in Europa gedroht hatte.

All das nur, um zu zeigen, dass es für Flüchtlinge in Deutschland bald keinen Asylgrund mehr gibt. Das ganze Manöver: zu durchsichtig, um zu verfangen.

AfD-Forderung dürfte Russland gefallen

Dass die AfD nach der Propagandashow, pardon: Aufklärungsreise, noch forderte, die Syrien-Sanktionen zu beenden, dürfte dem Kreml gefallen, dem Westen nicht. So gäbe man, zu Beginn der Gespräche über eine neue Verfassung, das letzte Druckmittel gegen Diktator Assad aus der Hand. Ein außenpolitischer Irrwitz, mehr nicht.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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