Streit um die Ferien Das große Theater um die Schule

Streit um die Ferien. Das große Theater um die Schule .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Im Norden und Westen erblüht das bildungspolitische Ideal des Golfrasens – alle kurz, Hauptsache gleich kurz. Für Bayern hieße das, sein eh schon sinkendes Abitur-Niveau so stark runterzuleveln, dass es kompatibel mit Berlin und Bremen ist. Dem liegt ein gravierendes, auch ideologisches Missverständnis zu Grunde: Bildung ist nicht besser, wenn sie auf Minimalstandards vereinheitlicht ist, sondern wächst am Niveau-Wettstreit der Standorte. Kleinstaaterei? Nein, Wettbewerbs-Föderalismus.

Das Gleichmachergremium „Nationaler Bildungsrat“ zu sprengen, war also klar im Interesse Bayerns. Dass Söder und die Kollegen aus Baden-Württemberg mit einem solchen Knall vorgehen, hat gute, nebenbei aber auch sachfremde Hintergründe. Es ist ein Tritt vors Schienbein der Bundesbildungsministerin Karliczek (CDU) wegen der Hightech-Batterie-Fördergelder – die hatte sie gegen Expertenrat ihren Freundchen in Münster zugeschachert.

In diese Gemengelage passt der nächste Akt: Rache. Die Nord-Länder meutern gegen die Ferientermine, gegen Bayerns Sonderrecht auf August/September. Hamburgs SPD-Bildungssenator droht allen Ernstes, ab 2025 im Spätsommer die großen Autobahnen nach Süden zu verstopfen. Viel Vergnügen: Die Bayern würden dem armen Mann sicher aus ihren Ferienorten herzlichste Sommergrüße auf die A 9 senden, vielleicht per Autoradio. Erpressungspotenzial für mehr Zentralismus liegt darin nicht – die Termine lassen sich nur im Konsens neu regeln.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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