Streit um Burka-Verbot an Uni Grüner Schleiertanz

Streit um Burka-Verbot an Uni. Grüner Schleiertanz .

GEORG ANASTASIADIS

Die Universität Kiel will einer muslimischen Studentin die Vollverschleierung in Lehrveranstaltungen verbieten. Sie bittet die schleswig-holsteinische Landesregierung aus CDU, FDP und Grünen um eine entsprechende gesetzliche Handhabe – und scheitert ausgerechnet an einem (noch dazu einstimmigen) Veto der Grünen-Fraktion. Die hält ein Burka-Verbot für falsch, da man „allen Frauen den Zugang zu Bildung ermöglichen“ wolle. In Berlin wiederum verurteilt Grünen-Chef Robert Habeck den Vollschleier als ein „Symbol für die Unterdrückung der Frauen“ – weist aber gleichzeitig auf rechtliche Hürden für ein Verbot hin.

Ja was denn nun? Dient der Vollschleier jetzt der Unterdrückung der Frauen – oder ermöglicht er ihnen erst die Teilhabe? Der grüne Schleiertanz offenbart, wie sehr die Partei, die sich sonst so gern ihrer klaren Linie rühmt, ins Schwimmen gerät, wenn sie sich zwischen ihrer feministischen Wurzeln und ihrem integrationspolitischen Laissez faire entscheiden muss. Konkret: Wie weit wollen die Grünen muslimischen Männern entgegenkommen, die ihre Frauen und Töchter als Menschen unsichtbar machen wollen, wie Cem Özdemir richtig bemerkt? Wo endet die Toleranz der Grünen, wenn noch nicht mal das Zeigen des Gesichts im Unterricht zum unabänderlichen gemeinsamen Wertebestand einer aufgeklärten Gesellschaft gehören soll? Und wie soll denn der von den Nord-Grünen geforderte Bildungserfolg der Frauen konkret funktionieren, wenn Lehrer(innen) nicht auf Augenhöhe mit ihren Schülerinnen kommunizieren können? Die Öko-Partei sollte dringend ihr Verhältnis zum Vollschleier klären. Und auch ihr Frauenbild.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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