Streit um Autobahn-Tempolimit Eine unterkomplexe Debatte

Streit um Autobahn-Tempolimit. Eine unterkomplexe Debatte .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Die aufflammende Diskussion ums Tempolimit wird teils auf beeindruckend unterkomplexem Niveau geführt. Tenor: Wenn wir nur alle langsamer machen, gibt’s weniger Unfälle, weniger Abgase, mehr glückliche Menschen. Alles hehre Ziele, in diesem Fall aber leider Humbug. Die Unfallzahlen auf den verbliebenen unbeschränkten Autobahnen sind nicht höher als in Nachbarländern mit Tempolimit. Viel größere Gefahrenfaktoren sind abgelenkte Fahrer (Smartphone!) und Auffahrunfälle mit Lkw. Die Klimawirkung eines Limits wäre gering; wer ernsthaft etwas verbessern will, sollte durch kluge Baupolitik und Verkehrsleitung Staus verhindern. Und, nein, ein mündiges Volk wird nicht glücklicher, wenn man es dort in Handlungsfreiheiten einschränkt, wo sie ohne Gefährdung verantwortbar sind.

Verkehrspolitik kommt nicht ohne Verbote aus. In Orten, auf Landstraßen, auf stark befahrenen Fernstraßen-Stücken sind Limits und harte Bußen unumgänglich. Für eine starre, unflexible Höchstgrenze auf Autobahnen gibt es jenseits von ideologisch getriebenen Debatten aber kaum einsichtige Argumente. Eine moderne Verkehrssteuerung muss Ströme lenken, bremsen oder beschleunigen können. Mit starren Grenzen und Verkehrsschildern aus Blech hat das ziemlich wenig zu tun.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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