Streit um Armenier-Genozid Symbolische Retourkutsche

Streit um Armenier-Genozid. Symbolische Retourkutsche .

MARCUS MÄCKLER

Hin und wieder soll es passieren, dass Politiker aus falschem Antrieb das Richtige tun. Dafür, den Völkermord der Osmanen an den Armeniern auch so zu nennen, gibt es jedenfalls gute Gründe. Der Bundestag hat den Genozid schon 2016 anerkannt, nun hat das US-Repräsentantenhaus nachgezogen und zwar in einer Einmütigkeit, die im krachenden Parteienstreit um die mögliche Amtsenthebung Donald Trumps bemerkenswert ist. Das zeigt, dass hinter dem Entscheid mehr steckt als der Wunsch, den Opfern späte Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Die USA haben sich lange vor dem Schritt gedrückt, um die Türkei nicht zu verprellen. Dass sich Republikaner und Demokraten ausgerechnet jetzt dazu durchringen konnten, ist wohl kaum Zufall, sondern die symbolische Retourkutsche für das Nordsyrien-Chaos, das Trump und der türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdogan angerichtet haben. Erdogan schäumte, weil die Frage Genozid/kein Genozid am türkischen Selbstverständnis kratzt. Und Trump wird seinem Kumpel in Ankara nun erklären müssen, warum er nicht mal die eigenen Abgeordneten im Griff hat. Allerdings könnte es sein, dass der gewiefte Herr Erdogan am Ende profitiert. Schon beim Berliner Beschluss 2016 nutzte er die Gelegenheit und stilisierte sich zum Verteidiger des Türkentums – mit Erfolg.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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