Strategie für die Zukunft gesucht

Raue Zeiten für Commerzbank. ROLF OBERTREIS.

Ein tiefgreifender Umbau sei unausweichlich, sagt der Vorstandschef, der das Handtuch wirft. Der Aufsichtsratschef wirft seines gleich hinterher. Was sich an der Spitze der Commerzbank ereignet, ist beispiellos für einen deutschen Konzern. Es zeigt nicht nur, dass die Probleme des Instituts auch wegen Corona massiv sind. Sondern mehr noch: Es geht letztlich um den Bestand eines wichtigen deutschen Geldhauses.

Die Commerzbank hat keine wirklich zukunftsweisende Strategie. Digitalisierung ist wichtig und doch zu wenig. Dabei ist das Institut für den deutschen Mittelstand eine wichtige Größe. Es ist die einzige deutsche private Großbank, die zumindest noch über ein ansehnliches internationales Netzwerk verfügt. Für den Export ist das von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Anders sieht es im Inland aus. In Deutschland gibt es nach wie vor zu viele Geldhäuser, das Land ist overbanked, der Wettbewerb ist hart, mit Sparkassen, Volksbanken und Direktbanken wie der ING oder Cortal Consors. Die Commerzbank hat immer wieder die Bedeutung ihres Filialnetzes betont. Es mag wichtig sein, aber nicht in dieser Dimension. All das heißt: Das Geldhaus muss abspecken und deutlich massiver, als es der bisherige Vorstandschef und der erste Mann im Aufsichtsrat geplant hatten. Die Zeiten für die Commerzbank werden noch ungemütlicher. Und ein Retter ist nicht in Sicht.

Redaktion@ovb.net

Kommentare