Strahlende Erblast

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Mühsame Endlager-Suche. DIRK WALTER.

Atommüll im Bayerischen Wald? Oder doch lieber im Chiemgau? Oder auf Helgoland? Es wird mit einiger Sicherheit nicht so kommen. Doch der Zwischenbericht zur Endlager-Suche, der solche Standorte prinzipiell nicht ausschließt, bewirkt vorerst nur eins: enorme Verunsicherung und Zweifel an der Seriosität der entscheidenden Behörden. Was soll ein Zwischenbericht bewirken, der mehr als die Hälfte (!) des Bundesgebiets aufgrund der Geologie (und nur die wurde untersucht) als prinzipiell geeignet ansieht? Die Auswahl der Gebiete hätte von vorneherein viel enger gefasst werden müssen, bevor man damit an die Öffentlichkeit geht.

Keine Frage: Ein Endlager ist notwendig. Atommüll ist die strahlende Erblast, die durch 50 Jahre Kernenergie-Nutzung angefallen ist. Die langsam wieder lauter werdende Schar derjenigen, die am Ausstieg zweifeln, hat eine Frage bisher nicht beantwortet: Wohin mit dem strahlenden Atommüll? Zur Wahrheit gehört: Auch Bayern, genauer gesagt CSU-Staatsregierungen in der Ära von Goppel bis Stoiber, haben jahrzehntelang verbissen auf billigen Strom durch die Atommeiler gesetzt. Mit Atomstrom schaffte Bayern den Wandel vom Agrar- zum Hightech-Land – wobei die Frage, wohin mit dem Müll, ignorant lange ausgeblendet wurde. Der Freistaat kann sich der Endlagersuche daher nicht entziehen, auch wenn es schmerzt – und jeder hofft, dass dieser bittere Kelch am Ende an Bayern vorüberzieht. Die Diskussion beginnt erst, sie wird uns noch mindestens ein Jahrzehnt beschäftigen.

Dirk.Walter@ovb.net

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