Störfall bei der 2. Stammstrecke in München

Störfall bei der 2. Stammstrecke.

Rauswurf für den Chefplaner

DIRK WALTER

Manchmal muss man eine Bahn-Pressemitteilung lesen wie früher die DDR-Postille „Neues Deutschland“: nämlich zwischen den Zeilen. Die Bahn trennt sich „im gegenseitigen Einvernehmen“ von ihrem Projektleiter für den Bau der umstrittenen 2. S-Bahn-Stammstrecke. Das ist ein Rauswurf erster Klasse für einen Projektchef, der in der Tat eine Reihe von Planungsfehlern zu verantworten hat. So ist für den Ostabschnitt ein neues Planfeststellungsverfahren notwendig, nachdem sich die ursprüngliche Streckenführung als zu aufwendig herausgestellt hatte. Und zuletzt musste – von unserer Zeitung aufgedeckt – nachträglich ein Rettungstunnel für das Prestigeprojekt der Bahn eingeplant werden, was ein riesiger Aufwand ist. Dass den Verantwortlichen bei der Bahn da irgendwann der Geduldsfaden reißt, ist nur konsequent.

Die 2. Stammstrecke ist nötig, um immer größere Passagierzahlen bewältigen zu können. Es wäre höchst ärgerlich, wenn sich das Projekt immer weiter verzögert. Aber der neue Tunnel allein wird es nicht richten. Die Bahn hätte schon längst die Ertüchtigung des Südrings mit Knotenbahnhöfen am Heimeranplatz und an der Poccistraße in Angriff nehmen können. Auch die Außenäste müssen erweitert werden. Hier ergehen sich Bahn und Verkehrsministerium seit Jahren nur in inhaltsleeren Luftplanungen. Aktuelles Beispiel: Bei der S4-West wurde erst der Bau zweier weiterer Gleise verfolgt. Dann wurde der Ausbau aus Kostengründen auf nur ein Gleis reduziert. Jetzt sollen es wieder zwei sein – ein Hin und Her ohne Sinn und Verstand! Aber man kann ja nicht alle Planer rausschmeißen.

Dirk.Walter@ovb.net

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