Sterbehilfe-Urteil Entscheidung für die Menschenwürde

Sterbehilfe-Urteil. Entscheidung für die Menschenwürde .

BARBARA NAZAREWSKA

Stellen Sie sich vor, Sie sind sterbenskrank. Die beste Medizin kann Ihnen nicht mehr helfen. Tag ein, Tag aus haben Sie immer mehr das Gefühl, Sie siechen vor sich hin. Und der einzige Wunsch, den Sie noch haben, ist: Sie möchten sich würdevoll verabschieden. Mein Wille geschehe. Doch genau das geht nicht – weil es der Gesetzgeber anders will. Ist das richtig? Nein, ist es nicht! Genau das hat auch das Bundesverfassungsgericht erkannt und gestern – völlig zu Recht – das Verbot auf geschäftsmäßige Sterbehilfe gekippt. Die Begründung: Jeder von uns hat ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben.

Um eines ganz deutlich zu sagen: Das Urteil der Verfassungsrichter in Karlsruhe diktiert klare Bedingungen, unter denen Sterbehilfe in Deutschland reguliert werden muss. Es öffnet nicht windigen Sterbehilfe-Vereinen Tür und Tor, die am Tod Schwerstkranker Geld verdienen wollen. Nein. Es rückt den Menschen mit seinem Selbstbestimmungsrecht in den Fokus. Und, das ist auch zentral: Das Urteil schützt zutiefst verunsicherte Ärzte, denen bisher massive Strafen drohten, wenn sie – wiederholt – vor schweren Entscheidungen standen, etwa der: Kann ich meinem todkranken Patienten ein Medikament überlassen, damit er sich nicht länger quälen muss und auf eigenen Wunsch gehen darf?

Jetzt ist die Politik wieder am Zug. Sie muss ein neues Gesetz zur Sterbehilfe erlassen. Und dabei nicht, wie 2015, die Verzweiflung all jener übersehen, um die es geht.

Barbara.Nazarewska@ovb.net

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