Der Stempel der Altherren-Partei

Union und Frauenquote. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Die Politik schlägt manchmal Purzelbäume. Jetzt plagt sich die Partei, die seit zwei Jahrzehnten von Frauen geführt wird, die die Kanzlerin stellt und die EU-Kommissionspräsidentin, mit einer Kontroverse über mehr Frauenquoten. Ausgerechnet diese CDU schickt sich an, in einen dicken Fettnapf zu springen. Natürlich wäre es für die CDU strategisch verheerend, sich jetzt gegen die Quote zu verkämpfen. Der Stempel der gestrigen Altherrenpartei wäre sofort wieder da, besonders schwungvoll übrigens auf der Stirn des Kandidaten Friedrich Merz.

Frauenquoten in Parteien sind per se kein gerechtes Instrument, aber ein Instrument für mehr Gerechtigkeit. Frauen auf Zeit zu bevorteilen, kann dabei helfen, ihren erschreckend kleinen Anteil in Parteien zu heben. 21 bis 26 Prozent in CSU und CDU – das reicht nicht zum Überleben für Volksparteien. Mit einem ähnlich winzigen Frauenanteil in den Parlamenten leidet auch der Anspruch, die Gesellschaft ganz zu repräsentieren.

Also Ja zu einer Quote. Keine starre 50/50-Lösung für eine lebendige Partei, da muss die CDU-Spitze nochmal ran – aber richtig ist der Ansatz, früher an der Basis Regeln einzuziehen. Dazu gehört sogar mehr als nur Quoten, auch ein generell familienfreundlicher Parteialltag: Kinderbetreuung bei Veranstaltungen, moderne und digitale Formate, weg von nur Hinterzimmer-Sitzfleisch-Abendrunden. Darum und nicht nur um Frauen geht es ja: ein viel breiteres Publikum zum Mitmachen zu motivieren als nur Hundertprozentige und Polit-Karriereplaner; deren Zahl sinkt nämlich. Und, keine Sorge: Strukturelle Modernität heißt nicht inhaltliche Beliebigkeit.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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