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Steinmeiers Rede in Jerusalem: Darum brauchen wir Gedenktage

  • Klaus Rimpel
    vonKlaus Rimpel
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Es ist noch gar nicht lange her, da schien es, als würde die Erinnerung an den Holocaust zum leeren Ritual verkommen. Doch 75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau haben die Reden zum Jahrestag eine erschreckende Brisanz gewonnen.

Kommentar - Angesichts des weltweiten Aufstiegs von Rechtspopulisten und Rassisten ist das in vielen Politiker-Reden geforderte „Nie wieder!“ weit mehr als nur eine Floskel der Erinnerungs-Kultur: Deutsche Juden trauen sich nicht mehr, ihre Kippa offen auf der Straße zu tragen.

Die AfD feiert Erfolge, indem sie Muslime, aber auch Juden und Minderheiten aus dem „Volk“ ausgrenzen will. Und in der Anonymität des Internets blühen Hass auf den Parlamentarismus und Antisemitismus.

Nie wieder? „Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand“, sagte dazu der Bundespräsident in seiner historischen Rede in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Es gibt nur noch wenige Holocaust-Überlebende, die von ihrem Schicksal erzählen können. Die Erinnerung an die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte droht zu verblassen: Laut einer Studie der Körber-Stiftung aus dem Herbst 2017 wussten 40 Prozent aller deutschen Schüler unter 14 Jahren und 22 Prozent der unter 34-Jährigen nicht, dass Auschwitz ein Vernichtungslager war. Auch das zeigt: Gedenktage wie der an die Befreiung von Auschwitz sind heute wichtiger denn je. Ritual? Nein, eher eine Lebensversicherung für unsere Demokratie.

klaus.rimpel@ovb.net

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