Startschuss statt Querschuss

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Aiwanger und die Koalition. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Der Spott über Hubert Aiwanger ist oft billig. Dass einer volksnah redet, statt gestanzte Nebensätze runterzulesen, ist in Bayern lobenswert, nicht peinlich. Dass er sich rastlos um Kleinteiliges kümmert, hingeht zu Jägern, Wirten, Bauern, verdient ebenso null Arroganz. In Teilen macht Aiwanger einen echt guten Job. Nur: nicht seinen.

In der Corona-Krise hat sich die Anforderung an einen Wirtschaftsminister komplett gewandelt. Zweierlei müsste er jetzt sein: Ein in den Chefetagen von Firmen und Verbänden bestens vernetzter Krisenmanager; und ein strategischer Kopf, der die nächste Hightech-Offensive entwickelt und steuert, Milliardenprojekte, die über Bayerns Vorsprung und Wohlstand bis weit ins nächste Jahrzehnt entscheiden. Für beides steht Aiwanger nicht. Das hat diese Woche wieder seine konturlose Regierungserklärung gezeigt, deren Höhepunkt eine laue Steuer-Forderung an den Bund war. Ehrlicherweise: Auch seine (zu) vielen Vorgänger von CSU und FDP glänzten kaum. Seit Otto Wiesheu wirkt der Posten vakant.

Hinzu kommt das unglückliche Agieren der Freie-Wähler-Seite in der Koalition: zuletzt arg nervös, mit ständigen Querschüssen, Rechthabereien, sogar Intrigen aus der Fraktion. In der Sache waren einige Einwände begründet, wurden sogar umgesetzt, der Stil irritiert aber. Aiwangers Freie Wähler wollen der von der CSU völlig ungebremsten Söder-One-Man-Show etwas entgegensetzen – dieser richtige Ansatz braucht mehr Substanz.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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