Ein starker Abgang für die Kanzlerin

Merkel: 2021 ist endgültig Schluss. GEORG ANASTASIADIS.

Die Deutschen haben mit ihrer Kanzlerin in 15 Jahren viel durchgemacht. Nach der Weltfinanzkrise kam die Eurorettung, dann der Atomausstieg, die Willkommenskultur und zuletzt die Viruskrise. So viele emotionale Höhen und Tiefen haben die Bürger mit Angela Merkel erlebt, dass sie irgendwann zur „Mutti“ wurde, und das war (meist) durchaus respektvoll gemeint. Nie war diese Zuschreibung treffender als jetzt, zum Ende ihrer Regentschaft, da die strenge Landesmutter ihr Volk vor Sorglosigkeit im Angesicht der Virusgefahr warnt. Manchen geht das auf die Nerven. Aber alle wissen: Es ist ihr ernst. Anders als manch andere hat sie es nicht nötig, ihre Beliebtheitswerte mit Hilfe der Corona-Angst weiter in die Höhe zu treiben.

Gleich, wie man zu ihrer Kanzlerschaft steht und was in den Geschichtsbüchern einst darüber zu lesen sein wird: Ein starker und selbstbestimmter Abgang ist der 65-Jährigen zu wünschen. Dazu hat sie selbst einen wichtigen Beitrag geleistet, indem sie Spekulationen über eine Verlängerung ihrer Amtszeit über den Herbst 2021 hinaus jetzt ein für alle Mal den Boden entzogen hat. Ihr „nein, wirklich nicht“ ist kein Kokettieren damit, noch mal gebeten zu werden. Merkel ist klug genug zu wissen, dass die überragenden Zustimmungswerte Dank sind für die geleistete Arbeit, aber kein Vorschuss für weitere Jahre im Amt.

Vielleicht ist es Zufall, vielleicht aber auch nicht, dass sich nach den Jahren des Matriarchats nur Männer im Bewerberfeld um die Nachfolge tummeln. Doch werden die sich noch gedulden müssen. Im Dezember wählt die CDU ihren neuen Chef, danach erst wird der Kanzlerkandidat von CDU und CSU gekürt. Jüngste Vorstöße aus der CSU zielen darauf ab, die Entscheidung nicht schon im Januar zu treffen, sondern erst später im Frühjahr. Je mehr sich in der CDU der Siegesrausch um den neu gekürten Parteichef gelegt hat, desto besser die Chancen des CSU-Vorsitzenden Söder, selbst nach der Kandidatur zu greifen. Erst danach beginnt der Abschied von der Ära Merkel.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

Kommentare