Stadt will weniger Platz für Autos Münchens Verkehr braucht eine Vision

Stadt will weniger Platz für Autos . Münchens Verkehr braucht eine Vision .

WOLFGANG HAUSKRECHT

München steht im Stau. An der Diagnose gibt es keinen Zweifel. Aber was ist mit der Therapie? Bisher gab es die eher in homöopathischen Dosen. Eine neue Buslinie hier, eine Tramstation da, ein Radlweg dort. Tröpfchen-Behandlung hilft aber nicht, um den Verkehrskollaps, der vor der Tür steht, zu verhindern. Also braucht es eine neue Vision. Einen umfassenden Plan für ein Verkehrskonzept, das möglichst schnell Wirkung entfaltet. Der Ausbau von U- und S-Bahn ist zwar richtig, aber zu spät. Viele Projekte werden, wenn überhaupt schon beschlossen, nicht vor dem Jahr 2040 fertig sein.

Das Problem an politischen Visionen ist, dass sie meist in Leitsätzen verharren oder am Einzelfall zerbröseln – weil es Widerstände gibt. Auch beim Thema Verkehr ist klar: Von irgendeiner Seite wird es immer Gegenwind geben. Dass Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) diesem Halbstillstand nun ein Ende bereiten will, ist gut. Die Münchner ächzen unter dem rasanten Wachstum. Hinterhöfe werden zugebaut, Freiflächen verschwinden, die Stadt wird immer voller. Reiters Ansatz, bei allen verkehrlichen Überlegungen den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, ist deshalb richtig.

Dass dies zulasten der Autofahrer geht, mag viele Pendler schocken. Aber Münchens Straßennetz ist ausgereizt, das Mobilitätsverhalten muss sich ändern. Alleine im Auto zu pendeln, ist nicht zukunftsfähig. Der Verkehr muss also besser vernetzt werden, um pendeln öffentlich verlässlich möglich zu machen. Dann werden auch die Straßen leerer. Stadt, Bahn, Freistaat, Bund: Alle müssen an einem Strang ziehen – und zwar richtig fest.

Wolfgang.Hauskrecht@ovb.net

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