Wo der Staat nicht wegschauen darf

Kampf gegen Corona. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Der Kampf gegen Corona funktioniert nur, wenn die Gesellschaft zusammenhält. Das klingt wie eine Kuschelfloskel, ist aber eine infektiologische Banalität: Wenige undisziplinierte Super-Verbreiter reichen, um mindestens regional Lockdowns auszulösen, zum Riesenschaden aller. Leider reißen gerade auffällige Linien auf, an denen sich die Gesellschaft auseinanderbewegt. Darüber politisch-korrekt hinwegzuschweigen, hilft nicht.

Aktuell gehen große Risiken aus von Partytouristen aus Mallorca und Bulgarien, die auf jeden Schutz pfeifen. Von den Familien-Heimreisen Richtung Kosovo, Serbien, Bosnien und Türkei. Es ist auch nicht hinnehmbar, wenn sich religiöse Gruppen oder, wie in Essen, ein offenbar libanesisch-kurdischer Clan bei Feiern mit zighunderten Gästen über Regeln und Verstand hinwegsetzen, unter den Augen der NRW-Behörden. Ebenso müsste Berlin auch nicht unbegrenzt vermeintliche „Freiheits“-Demos von Rechtsradikalen und/oder Corona-Leugnern dulden.

Die Politik sieht sich natürlich in einem Spannungsfeld: Wo Behörden und Polizei überreagieren, fühlt sich die vernünftige Mehrheit gegängelt. Wo sich der Staat blind und taub stellt, verkauft er aber rechtschaffene Bürger für dumm. Was sollen Familien, die monatelang unter extremstem Druck ihre Kinder daheim beschult haben, von den Sauf- und Clan-Bildern denken? Das ist aktuell die größere Gefahr. Der Staat muss also konsequenter ahnden, und der Bund muss dringend seinen bisher zögerlichen Umgang mit Reiserückkehrern verschärfen und die Risikogebiete tagesaktuell noch stärker anpassen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Kommentare